Die Saar-Region als Teil Frankreichs (1794-1815)

Die Saar-Region ist bereits seit Jahrhunderten Grenzraum zwischen Nachbarn, die sich selten freundlich gesinnt waren. Die reichen Naturschätze der Region, Wasser, Holz, Kohle und Erze weckten unterschiedlichste Begehrlichkeiten und liessen Zwistigkeiten häufig zu kriegerischen Auseinandersetzungen eskalieren.

Die Zersplitterung des Gebietes in unzählige feudale Landes- und Grundherrschaften verhindert jedoch trotz des enormen Reichtums an Bodenschätzen bis in die frühe Neuzeit eine soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Saar-Region.

Ein erster Anstoss zur Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Region kommt aus einer Richtung, aus welcher man dies nicht vermuten würde, von der französischen Krone unter Louis XIV., dem Sonnenkönig.

Im Zuge seiner expansiven Reunions-Politik besetzen seine Truppen ab 1670 die Saar-Region. Diese wurde 1679 nach dem Frieden von Nijmegen zu einer französischen Provinz, der Province de la Sarre. Die Rechte der unzähligen Landes- und Grundherrschaften werden massiv beschnitten, die Lasten der Bevölkerung gemindert, die Leibeigenschaft am 5. Januar 1685 durch ein Edikt Louis XIV. aufgehoben. Weitere Verbesserungen:

  • Verringerung der Frondienste um 75%
  • Wiederaufbau nach den Verheerungen des 30-jährigen Krieges
  • Die Peinliche Halsgerichtsordnung wird durch das französische Strafrecht ersetzt
  • Vereinheitlichung und Zentralisierung des Steuersystems
  • Vereinheitlichung und Zentralisierung des Justizwesens
  • Vereinheitlichung des Münz- und Masswesens

Louis XIV. lässt 1680 durch seinen Festungsbaumeister Sébastien le Prestre de Vauban die Stadt und Festung Sarre-Louis errichten, die 1685 zur Hauptstadt der Privinz und Sitz des Obergerichts wird. Das Zusammenspiel all dieser Massnahmen führte zu einem sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung in der Saar-Region.

Die Periode der Province de la Sarre findet 1697 mit dem Frieden von Rijswijk ihren Abschluss. Die Region wird wieder in unzählige kleine bis kleinste Herrschaften aufgeteilt. Ausschliesslich die Festungsstädte Saarlouis und Landau verbleiben bei Frankreich. Durch Erbfall gelangt 1766 das Herzogtum Lothringen an die französischen Krone. Damit wird auch ein Viertel der ehemaligen Province de la Sarre wieder Teil Frankreichs.

Im Zuge der Revolutionskriege ab 1792 besetzen französische Truppen ab 1794 die Saar-Region. Es werden auf dem Gebiet des heutigen Saarlandes die Verwaltungseinheiten Département de la Sarre und Département du Mont Tonnerre errichtet. Ein Teil der südlichen Saar-Region wird dem Département Moselle zugeordnet. Mit dem Frieden von Lunéville 1801 wird das gesamte linksrheinische Gebiet vom Heiligen römischen Reich völkerrechtlich an Frankreich abgetreten.

Die Periode der Départements de la Sarre und du Mont Tonnerre findet mit Napoléon Bonapartes Niederlage bei Waterloo im Jahr 1815 seinen Abschluss, jedoch lassen sich   aller obrigkeitlichen Bemühungen zum Trotz die Uhren des Zeitgeistes nicht mehr zurückdrehen. Die linksrheinischen Gebiete pochen auf ihre in der Zeit als Teil Frankreichs erworbenen Rechte. Diese werden ihnen - wenn auch zähneknirschend - von Ihren Landesherren zugestanden, doch von nun an gelten die Einwohner der linksrheinischen Gebiete als "Musspreussen" resp. "unsichere Kantonisten".

Für Daten und Jahreszahlen vergleiche meine Philatelistische Chronik der Saar-Region.

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